Thursday, 5. November 1998 12:32:07
MCS-Forum Item Von: UMINFO,Berlin
Betreff: dbu-Brief -> UBA
An: MCS-Forum

An das Umweltbundesamt.......

 

Dr. med. Kurt E. Müller Isny, 28. 10. 98
1. Vorsitzender
Scherrwiesenweg 16
88316 Isny
Telefon 0 75 62/5 50 51
Fax 0 75 62/5 50 52

 

Forschungsvorhaben zu MCS

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

dem Deutschen Berufsverband der Umweltmediziner (dbu) ist bekannt, daß die Absicht des Umweltbundesamtes, ein Forschungsvorhaben zu MCS (Multiple Chemical Sensitivity) zu vergeben, zu heftigen Reaktionen betroffener Patienten und behandelnder Ärzte geführt hat. Es wird befürchtet, daß durch Psychiatrisierung der Erkrankten die Existenz der Erkrankung in Frage gestellt werden soll. Die Sorge ist groß, daß Forscher und Institutionen mit der Durchführung betraut werden, die keine praktische Erfahrung mit Patienten und geringe Kenntnis zielführender Diagnostik besitzen. Zahlreiche Vetreter von MCS-Selbsthilfe-Organisationen sahen sich deshalb inzwischen zu einem Boykottaufruf veranlaßt.

Auch der dbu steht einer solchen Studie kritisch gegenüber. Das Umweltbundesamt hat inzwischen in einem ausführlichen Gespräch Absichten und Ziele erläutert. Für den dbu stellt sich die derzeitige Situation wie folgt dar:

Betroffene Patienten und Selbsthilfegruppen verweigern inzwischen die Beteiligung an diesen Studien.

Kritische Wissenschaftler haben bereits Vorbehalte an der Umsetzung dieser Forschungsvorhaben unter diesen Voraussetzungen (zeitliche und personelle Abstimmung) geäußert.

Die Studie ist noch nicht vergeben.

Die Studien-/Projektleiter sind bisher nicht bestimmt.

Das Umweltbundesamt hat zu der Studie keine Vorgaben gemacht, weil von Seiten der Behörde ein offener und konstruktiver Austausch zwischen den an dem Vorhaben beteiligten Ärzten angestrebt wird.

In diese fachliche ärztliche Auseinandersetzung will das Umweltbundesamt sich nicht einmischen, wie telefonisch erörtert wurde. Der dbu ist prinzipiell an wissenschaftlicher Forschung zu MCS interessiert und wird ein ausgewogenes und fundiertes Forschungsdesign unterstützen. Deshalb wird der dbu ein Beratungsgremium benennen, das die Studie in ihrem gesamten Verlauf begleiten wird.

Dieses Gremium wird an allen Projekttreffen aktiv teilnehmen, bei denen über einzelne Fälle, die anzuwendende Diagnostik sowie die Auswertung und Interpretation der Ergebnisse diskutiert und entschieden wird.

Der dbu wird vorbehaltlich der Gewährung eines finanziellen Zuschusses ein Beratungstelefon einrichten, über das sich Patienten zusätzlich zu der in der Studie vorgeschriebenen Beratung durch die jeweils untersuchenden Ärzte informieren können.

Sollten diese Rahmenbedingungen erfüllt werden, sieht der dbu in der Durchführung dieser Studie eine gute Chance, in der dargestelltenThematik einen entscheidenden Schritt vorwärts zu machen, so daß unter solchen Voraussetzungen Patienten und Kollegen gebeten werden, ihre Einwände zu überdenken und kooperativ mitzuwirken.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Kurt Müller
1. Vorsitzender des dbu
Geschäftsstelle dbu
Juliuspromenade 54
97070 Würzburg
Telefon 0931/573133 - Fax 0931/573131
Bankverbindung dbu:
Städtische Sparkasse Würzburg
BLZ 790 500 00 Konto-Nr. 60368