Umweltbundesamt hat MCS-Forschungsvorhaben vergeben

Das breit und teilweise kontrovers diskutierte Vorhaben aus dem Umweltforschungsplan "Untersuchung zur Aufklärung der Ursachen des MCS-Syndroms (Multiple Chemikalienüberempfindlichkeit) bzw. der IEI (idiopathische umweltbezogene Unverträglichkeiten) unter besonderer Berücksichtigung des Beitrages von Umweltchemikalien", Förderkennzeichen 298 62 274, wurde Ende Januar 1999 an das Robert-Koch-Institut in Berlin vergeben; Dr. Dieter Eis übernimmt die Projektleitung und Dr. Tanja Rupp die Koordinierung des Vorhabens.

Folgende weitere Gruppen sind beteiligt:

Im Offenen Brief vom 3.11.1998 kündigte das Umweltbundesamt an, einen projektbegleitenden Beirat einzurichten, was kurz nach Vergabe des Vorhabens erfolgte. Bei der Auswahl der Beiratsmitglieder wurden praktizierende und erfahrene Umweltmediziner berücksichtigt. Daneben spielen aber auch andere Kriterien eine Rolle, z.B. die wissenschaftliche Reputation und ob einschlägige Fachgesellschaften durch Beiratsmitglieder repräsentiert werden können. Folgende Experten wurden vom Umweltbundesamt in den Beirat berufen: Die Genannten vertreten entweder direkt eine Fachgesellschaft oder wurden gebeten, für eine Berücksichtigung der Interessen der jeweiligen Gesellschaft Sorge zu tragen. Folgende Gesellschaften sind somit, zumindest indirekt, in den Beirat eingebunden:
Der bisherigen Fachbegleiterin des MCS-Vorhabens im Bundesumweltamt, Frau Dr. Paulini, wurde im April 1999 die Leitung eines Fachgebietes (Vollzug Wasch- und Reinigungsmittelgesetz) übertragen. In Zukunft wird Herr Prof. Schimmelpfennig (Leiter des Fachgebietes V 1.1 "Spezielle humantoxikologische Fragen") das Vorhaben im Umweltbundesamt fachlich betreut.

Umweltbundesamt
Dr. Inge Paulini
Prof. Dr. Wolfgang Schimmelpfennig



Notizen zum ersten Projekttreffen

Am 29. April 1999 fand am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin ein erstes Projekttreffen mit den kooperierenden Zentren unter Beteiligung des Beirates und der Fachbegleiter des Umweltbundesamtes statt.

Das Hauptanliegen der Studie besteht in einer genaueren Beschreibung und vertieften Analyse der multiplen chemischen Sensitivität, wobei vor allem Erkenntnisse zu den Ursachen/Bahnungen respektive zur Auflösung von MCS gewonnen und die somatischen wie psychischen Aspekte der Erkrankung genauer erforscht werden sollen. Beim multizentrischen Vorgehen mit vielen Beteiligten muß die Funktions- und Leistungsfähigkeit des Forschungsverbundes zur wissenschaftlichen Untersuchung von MCS gewährleistet sein.

In einer sechsmonatigen Projektphase I wird zunächst ein einheitlicher Untersuchungsstandard etabliert und getestet (Angleichung der Instrumente und Prozeduren; Verankerung einer effektiven Qualitätskontrolle im multizentrischen Verbund; Vorstudie zur Machbarkeit).
Die Haupterhebung erfolgt erfolgt in der Projektphase II über einen Zeitraum von 12 Monaten. In dieser Phase tritt das Teilprojekt "Neurogene Entzündung" (Prof. Kobal, Erlangen) hinzu, wobei allerdings generell die Möglichkeit besteht, Patienten auch bereits in der Phase I in Erlangen vorzustellen.
In der abschließenden Projektphase III wird die in der Hauptphase begonnene Verlaufsbeabachtung abgeschlossen und die gleichfalls in der Hauptphase begonnenen Datenauswertung komplettiert.

Die zur Eingrenzung der MCS-Fälle erforderlichen diagnostische Kaskade muß noch spezifiziert werden. Entsprechende Vorschläge werden von den auf dem Projekttreffen gebildeten Arbeitsgruppen erarbeitet. Diskutiert wird auch die Bestimmung bisher selten untersuchter Parameter, wobei bisher allerdings keine finanziellen Mittel dafür zur Verfügung stehen. Verstärkte Bemühungen diesbezüglich werden von den Teilnehmern unterstützt. Die Diskussion und Beurteilung "unklarer Fälle" soll im Rahmen von interdisziplinären Fallkonferenzen während der Projekttreffen erfolgen.

Alle Patienten werden vor Aufnahme in die Studie ausführlich über die Ziele des Forschungsvorhabens und die geplanten Untersuchungen aufgeklärt. Alle Patienten werden über ihre individuellen Untersuchungsbefunde von den verantwortlichen Ärzten/Ärztinen der umweltmedizinischen Zentren informiert. darüber hinaus werden nach Abschluß der Studien deren Ergebnisse Veröffentlicht werden. Selbstverständlich unterliegen alle Patientenangaben der ärztlichen Schweigepflicht. Die multizentrische Auswertung der Daten erfolgt gemäß den Datenschutzbestimmungen in anonymisierter Form.

Alle beteiligten Ärzte und Wissenschaftler stehen für die Ergebnisoffenheit des Vorhabens ein. Sie wollen nicht nur die Kenntnisse zur Entstehung und zum Krankheitsverlauf von MCS mehren. Sie wollen auch kompetente und verständige Ansprechpartner für Betroffene sein und den Patienten, soweit mit den verfügbaren Mitteln machbar, umfassende Untersuchungen und Doagnosemöglichkeiten bieten. Außerdem soll das Vorhaben, auch wenn dies nicht ausdrückliches Förderziel des Umweltbundesamtes ist, zur Weiterentwicklung therapeutischer Ansätze dienen. Eine rege Beteiligung der Betroffenen würde alle diese Anliegen sehr unterstützen.

Rober Koch-Institut
Dr. Dieter Eis
Dr. Tanja Rupp