Vernetzung als Qualitätsprinzip - Workshop zur Weiterentwicklung praxisgerechter Vernetzungskonzepte in der Umweltmedizin

21.und 22. April 1999 in Düsseldorf

 

Thesen zu: Vernetzung als Qualitätsprinzip in der Umweltmedizin

 

1. Umweltmedizinische Beratungsanlässe und Fragestellungen sind im ärztlichen Alltag niedergelassener Ärzte anscheinend seltener als früher angenommen (auch unter Berücksichtigung von darauf spezialisierten Praxen). Daher ist es nicht vorstellbar, daß die jeweils notwendigen umweltmedizinischen Kenntnisse und Fähigkeiten auch präsent sind und die sich jeweils ergebenden Fragen mit der gleichen Routine, wie sie bei der ärztlichen Behandlung häufiger Krankheitsbilder erwartet werden kann, gelöst werden können.

2. Wegen der vielfältigen ätiologischen Aspekte, der Symptomatik von Umwelterkrankungen, die in der Regel unterschiedliche Organsysteme betreffen, und der notwendigen umfangreichen differentialdiagnostischen Überlegungen kann Umweltmedizin in der Praxis nur interdisziplinär betrieben werden. Gerade durch ihr Bemühen, Erfahrungen aus dem ärztlichen Praxisalltag mit wissenschaftlichen Grundlagen zu verbinden, was nur in interdisziplinärer Form gelingen kann, unterscheiden sich seriöse Umweltmediziner von selbsternannten Spezialisten, an denen oft monomane Züge erkennbar sind.

3. Um die notwendige interdisziplinäre Zusammenarbeit zu organisieren, reichen kollegiale Strukturen, wie sie in der kassenärztlichen Versorgung üblich sind (Überweisung, Befundbericht) nicht aus: sie sind zu redundant und zu schwerfällig. Intensiverer Austausch scheitert in der tägliche Routine am Faktor Zeit. Es sind daher für eine gute Behandlung umweltmedizinischer Patienten zusätzliche Kommunikationsmöglichkeiten und Kooperationsformen vor Ort zu entwickeln.

4. Bei dem Begriff "Vernetzung" wird häufig zuallererst an Computerisierung, Internet oder andere Informationstechnologien gedacht. Die technische Umsetzung des Informations- und Erfahrungsaustausch ist jedoch nur von zweitrangiger Bedeutung. Entscheidend ist es, Absprachen und Klarheit darüber zu erzielen, welche Inhalte kommuniziert werden sollen, welche zeitlichen Möglichkeiten dafür bestehen und welche Kooperationswege ermöglicht werden sollen. Dies gelingt nach unserer Erfahrung am besten in selbstorganisierten, regionalen Organisationsformen wie Qualitätszirkeln.

5. Um die notwendigen Rahmenbedingungen für die Behandlung umweltmedizinischer Patienten zu schaffen, braucht es geeignete, dem außerordentlichen Zeitaufwand angemessene Vergütungsmöglichkeiten. Ob diese an bestimmte qualitätssichernde Maßnahmen gekoppelt werden sollten, wäre zu diskutieren.

 

Dr. med. Stefan Bilger
Facharzt für Allgemeinmedizin, Umweltmedizin
Qualitätszirkel Umweltmedizin Rhein-Neckar
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