Protokoll zum gemeinsamen der Treffen der Ärztinnen und Ärzte für Umweltmedizin e.V. und des Qualitätszirkel Umweltmedizin Rhein-Neckar

Sitzung vom 14.6.99 in Rastatt

Teilnehmer: Dr. Stefan Grüter, 79576 Weil am Rhein , Dr. Jürgen M. Hugo, 79108 Fr-Hochdorf, Dr. Rainer Höll, 79183 Waldkirch, Dr. Ingo-Frithjof Zürn, 77787 Nordrach, Dr. Hajo Wohlleben, 79183 Waldkirch, Dr. Gerhard Wesch, 69493 Hirschberg, Dr. Waltraud Bär, 69168 Wiesloch, Dr. Gudrun Eisermann, 76133 Karlsruhe, Dr. Berthold Musselmann, 69168 Wiesloch, Dr. Detlef Goldschmidt, 76137 Karlsruhe, Dr. Peter Ziegelmüller 68161 Mannheim, Dr. Stefan Bilger, 69221 Dossenheim, PD Dr. Volker Mersch-Sundermann, 68165 Mannheim, Dr. Klaus Rudolf Denz 79098 Freiburg, Dr. Günter Beumer, 68161 Mannheim, Dr. Manfred Mayer, 68167 Mannheim, Michael Fischer-Pokora, 76646 Bruchsal.


1. Forum Umweltmedizin beim DGN
Herrn Denz berichtet, dass bei der Sitzung am 29.4.99 in Stuttgart mit Herrn Dreher seitens des DGN die Einrichtung eines Forums "Umweltmedizin" gewünscht wird. Die dabei beteiligten Ärzte erhalten als Gegenleistung für die Ausgestaltung einen für 12 Monate kostenfreien Zugang zum DGN. Die Vorteile des Projektes bestehen neben dem kostenlosen DGN Zugang in einer kostenlosen e-mail Adresse und Homepage. Darüber hinaus hat die Landesärztekammer Baden-Württemberg beschlossen, den Fortbildungsauftrag in Zusammenarbeit mit dem DGN wahrzunehmen, so dass die von uns geleistete Arbeit im Sinne der ärztlichen Fortbildung gewertet wird. Bei der Literaturrecherche wird das Forum Umweltmedizin unterstützt von Frau Prof. Susanne Speck, die an der EFA Stuttgart die Hochschule für Bibliotheks- und Informationswesen leitet. Diese Literaturrecherche ist für die Mitarbeiter des Forums Umweltmedizin kostenfrei.

Von Herrn Bilger wird betont, dass eine Informationsplattform für die Umweltmediziner bereits existiert (Uminfo des Paul-Ehrlich-Instituts), allerdings ist dieses Forum nicht öffentlich und kann somit der Präsentation der Umweltmedizin für die allgemeine Öffentlichkeit nicht hinreichend dienlich sein.

2. Aktuelle Fragen der Umweltmedizinischen Praxis: Umweltmedizinische Ambulanz im Klinikum Mannheim und MCS Forschungsvorhaben des Umweltbundesamtes
Herr Mersch-Sundermann, Institut für Hygiene und medizinische Mikrobiologie am Klinikum Mannheim, berichtet über die geplanten Aktivitäten, die Umweltmedizin in dem universitären Bereich als interdisziplinäre Einrichtung zu etablieren, und auf Bundesebene zu integrieren. Der Versuch der Kooperation wird unterstützt vom Landesforschungsbeirat, der den Ausbau der Umweltmedizin an den Hochschulen fordert, da keine universitäre Ausbildung existiert, da die Umweltmedizin in Deutschland "wissenschaftlich Neuland" darstellt und da eine klinische Umweltmedizin nicht stattfindet, sondern von Umweltpraxen in der Peripherie gestaltet wird. Die Umweltmedizin soll an der Fakultät für klinische Medizin Mannheim ein Schwerpunkt werden. Das Wissenschaftsministerium Baden Württemberg, die Landesärztekammer und die KVen sind eingeschaltet. Gespräche mit den Kassen finden bereits statt. Seitens des geplanten Schwerpunktes wird betont, dass ausreichend Grundlagenforschungsthemen vorhanden sind.

Die Lehre soll interdisziplinär weiter ausgebaut werden unter Beteiligung der Neurologie, Dermatologie, Hygiene, Innere Medizin, Gynäkologie und weiteren klinischen Fächern.

Die klinische Versorgung der Umweltpatienten ist finanziell nicht gesichert. Der Umweltausschuß der Landesärztekammer will bis Mitte 2000 die Einrichtung einer Ambulanz fördern, die mit primär dafür eingestellten Ärzte besetzt werden soll. Dabei wird die Region Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg bevorzugt. Die Kooperation mit den niedergelassenen Umweltmedizinern ist wesentlicher Bestandteil des Projektes. Derzeit besteht generell einen Mangel an Finanzierungsmodellen. So wird z.B. das MCS Projekt finanziell nicht hinreichend unterstützt, um eine Kasuistikerfassung durchzuführen.

Die Heidelberg Umweltambulanz von Frau Gerhard, die sich vorwiegend mit der Reproduktionstoxizität befaßt, ist finanziell ebenfalls unterversorgt. Die Umweltambulanz des Klinikum Heidelberg ist als reine Ambulanz nicht möglich und nur eingebettet in ein Gesamtkonzept mit stationärer Diagnostik und Therapie zu halten. Ein ähnliche Problematik ergibt sich in Freiburg, wobei die dortige Situation durch eine verbesserte Kooperation günstiger gestaltet werden kann. Die für die Mannheimer Umweltambulanz geplante Struktur soll vorsehen, dass von jeder Klinik Fachkollegen zur Betreuung der Patienten abgestellt werden. Es soll eine reine Zuweisungspraxis sein. Die Zuweisung soll primär durch niedergelassene Umweltmediziner erfolgen. Dabei sollen die Schwerpunktpraxen eine "Filterfunktion" darstellen. Denkbar ist ein 3-Stufenmodell, wobei die Hausärzte umweltmedizinisch abzuklärende Fälle zunächst den niedergelassenen umweltmedizinischen Praxen zuweisen, und von dort bei Bedarf die Weiterleitung an die Klinikambulanzen erfolgen soll. So kann vermieden werden, dass die geplante Ambulanz ausufernd überflutet wird.

Wünschenswert ist, die Fallvorstellung, die bereits im Klinikum Mannheim abgehalten werden, den niedergelassenen Umweltmedizinern zugängig zu machen. Als Ziele sind herauszustellen: Förderung der persönlichen Kontakte, Fortbildung, definieren von Ansprechpartnern für Selektivproblematiken, Ausstattung der Lehrangebotes (Im Hinblick auf eine Neuregelung der Approbationsordnung) erarbeiten von Leitlinien/Behandlungskorridoren für umweltmedizinische Patienten. Das Mannheimer Modell soll nach Evaluation nach Freiburg übertragen werden.

Zum Thema MCS berichtet Herr Mersch-Sundermann, dass ein Verbund aus 15 Zentren ein Forschungsvorhaben, unterstützt von RKI und UBA gestartet haben. Ein 4-köpfiger wissenschaftlicher Beitrag projektiert die Kooperation. Zunächst soll eine Beschreibung des Krankheitsbildes erfolgen. Im Anschluß daran wird ein Instrumentarium zur Diagnostik zur Verfügung gestellt werden. Die Erhebungsmaterialien in Form von Fragebögen werden derzeit in Gießen erstellt. In der 2 jährigen Anlaufphase werden als Diagnostiktool die Ableitung von evozierten Potentialen zum Mittelpunkt der Diagnostik im Hinblick auf zentralnervöse Intoxikation durchgeführt. Im Übrigen ist die Themenstellung stark psychosomatisch orientiert. Für Biomonitoringuntersuchungen sind keine Finanzmittel in dem Forschungsvorhaben vorgesehen. Eine Problematik besteht in der Deskription des Krankheitsbildes, die aus dem erhobenen Datenbestand gestaltet werden soll, wobei die Aufnahme von Patienten über Ein- und Ausschlußkriterien selektiert wird. Eine Stellungnahme von Herrn Eis (RKI Berlin) wird in der Zeitschrift für Umweltmedizin in Theorie und Praxis demnächst veröffentlicht.

3. Zur Weiterentwicklung umweltmedizinischer Versorgungsstrukturen
Herr Bilger berichtet über die Präsentation des Qualitätszirkels Umweltmedizin/Rhein Neckar auf dem Workshop zur Weiterentwicklung praxisgerechter Vernetzungskonzepte in der Umweltmedizin am 21./ 22. April 1999 in Düsseldorf. Als Ziele wurden definiert eine Kooperation zur Qualitätssicherung, eine adäquate Honorierung der umweltmedizinischen Leistungen, wobei ein Stundensatz von DM 150.- bis DM 300.- pauschal genannt wird. Angedeutet wurde, dass die Qualifikation zur Abrechnung durch zusätzliche Qualifikationsnachweise hinterlegt werden sollte. Herr Höll wandte ein, dass die Weiterbildungsordnung die Umweltmedizin bereits regelt, deswegen sei keine Extraqualifikation erforderlich. Eine Differenzierung zwischen "guten" und "schlechten" Umweltmedizinern sei rechtlich bedenklich. Fragen zu Standards und zu Qualitätssicherung sowie die Kooperation mit den Kliniken sind weitere Ziele. Herr Bilger hat in dem Papier "zur Weiterentwicklung umweltmedizinischer Versorgungsstrukturen", die den Mitgliedern des Qualitätszirkels Umweltmedizin vorliegen, die weiteren Ergebnisse zusammengefaßt.

4. Abrechnung umweltmedizinischer Leistungen oder "Außer Spesen nichts gewesen"
Herr Zuern aus Nordrach stellte in brillanter Weise die derzeit gegebenen Regelungen hinsichtlich der Abrechnung umweltmedizinischer Leistungen vor. Das gesamte Spektrum an umweltmedizinischer Diagnostik ist definitiv nicht Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherung und muß privat liquidiert werden. Unter dem Aspekt der Budgetierung und Honorierung ist zu überlegen, ob die Integration der Umweltmedizin in einen neuen EBM wünschenswert ist. Das Referat wird den Mitgliedern als Fotokopie zugesandt.

5. Verschiedenes
Angesprochen wurde ein Ökoaudit für Praxen, damit liegen noch keine Erfahrungen vor, auch nicht darüber wer diese Ökoaudit vergibt.

Für den 2000 in Stuttgart stattfindenden Kongreß der Südwestdeutschen Gesellschaft für innere Medizin ist eine gemeinsame Veranstaltung der Freiburger und Nordbadener Umweltmediziner angekündigt.

Termin des nächsten gemeinsame Treffens am 22. November in Rastatt.

Protokoll: Dr. Manfred Mayer