Sitzung vom 30.9.1999 in Mannheim
Interview der Landärztlichen Nachrichten (Dr.Retzlaff) mit Dr.Bilger über Umweltmedizin im Allgemeinen, u.a. Verdienstmöglichkeiten.
Südbadische Umweltärzte im DGN präsent, von uns eher keine Präsenz im DGN geplant.
Seit 1993 krank, chronische Rückenschmerzen, Gelenk- und Kreislaufprobleme, innere Unruhe, Hypertonus (ess.), Koronarbefund unauffällig, seit 6/94 Dauer-AU, psychosomatisches Heilverfahren 94 nichts gebracht (Konflikte am Arbeitsplatz bearbeitet). HLA B27 pos., neurologisach keine wesentlichen Auffälligkeiten, unbeobachtet normale Beweglichkeit. 1996 Dg."Fibromyalgie" mit 35 positiven "Triggerpunkten" (Patientenangabe von "Schmerz"). Psychosomatische Klinik Heidelberg: SOMATOFORME STÖRUNG. Rheumaklinik Bad Säckingen "Fibromyalgie". Amalgamentfernung und Elektrosmog-Sanierung ohne Effekt. Huber (Nephrologie, Kurpfalzklink): PCB-Spiegel erhöht, max. das Doppelte der oberen Norm. SPECT: "Perfusionsstörung Gehirn", privat bezahlter Neurologe konstatiert PNP, "schwere Ataxie", Gedächtnisschwäche. Strebt im Sozialgerichtsverfahren EU-Rente, u.U. BG-Rente an. Keine bewiesenen neurotoxischen oder immunotoxischen Effekte.
Randinformation: Mit ½ a Schädelbasisfraktur bei schwerer Kindesmißhandlung. Mit acht Jahren Meningitis durchgemacht (stat. Aufenthalt).
Mögliche Relevanz umweltmedizinischer Befunde an diesem Beispiel erörtert, Dilemma der Wirklichkeit in der täglichen Praxis. "Guter", weil typischer Fall für die Probleme in der Umweltmedizin.
Mehrere Kollegen beklagen, im Alltag vor solchen Fällen ratlos und allein zu stehen.
Ergebnis des "Konsils": Arbeitsmedizinischen Befund des Werksarztes von DB einholen. Quelle der PCB-Belastung unklar (Kühlmittel - Öle an den Dreher- und Spenglermaschinen?), Relevanz der nur rel. Gering erhöhten Werte? Allgemeines Problem der Beweislast beim Arbeitnehmer erörtert, muß sich ändern! Untere soziale Schichten haben deutlich geringere Lebenserwartung wg. Lifestyle - Unterschieden, aber u. a. auch wg. belasteteren Arbeitsplätzen.
Resumee: Am ehesten schwere somatoforme Persönlichkeitsstörung mit fataler Fixierung durch eine in diesem Fall kontraproduktive "Umweltsubstruktur" (Selbsthilfegruppen, willige Privatärzte..).
Am nächsten (hoffentlich besser besuchten) Termin soll entschieden werden, wie die Qualität des QZ noch verbessert werden kann, z.B. durch feste wiederkehrende Themata, durch Referate an jedem Abend (alle Kollegen im Wechsel) zu im Alltag bedeutsamen Themata, interdisziplinäre Zusammenarbeit u.a., um das "Schwimmen" im Alltag zu einem "Gehen" zu verwandeln. Chancen und Grenzen der Umweltmedizin, Perspektiven und Ideen für den Qualitätszirkel, z.B. gemeinsame Exkursionen etc.
Protokoll: Dr. Berthold Musselmann