Protokoll des Qualitätszirkels Umweltmedizin Rhein-Neckar

 

Sitzung vom 03.02.2000 in Mannheim

 

Teilnehmer: M. Cremer, M. Manigault, C. Tomalla, B. Musselmann, W. Bitzer, W. Bär, P. Ziegelmüller, M. Fischer-Pokora, S. Bilger

 

Psychosomatische Aspekt umweltmedizinischer Erkankungen

Das Ende 1999 mehrheitlich gewünschte Thema wurde sehr konzentriert und mir fortschreitender innerer Logik diskutiert. Zu Beginn berichtete der Protokollant von den Vorbereitungen zu diesem Thema: von verschiedenen Seiten seien "Fachleute" als Referenten empfohlen worden, was wohl auf Unsicherheiten der Teilnehmer schließen lasse. Allerdings hätten bisherige Vorträge von Psychosomatikern zur Umweltmedizin (z. B. auf der gemeinsam besuchten Fortbildung in Freiburg) keine wesentliche Aufklärung oder praktische Hilfe gebracht. Wir alle seien, weil mit den Patienten vor Ort konfrontiert, die eigentlichen Experten der Praxis. Bevor man externe Referenten einlade, solle Klarheit darüber herrschen, welche Fragen man habe und welche Antworten man von ihnen erwarte.

Ausgangsfrage war die Unterscheidung organisch – psychisch. Kollege Ziegelmüller erläuterte die typische Situation, daß von ihm immer wieder eine Diagnostik zum Ausschluß organischer Erkankungen erwartet werde. Darauf ergänzte Frau Tomalla, daß in der Umweltmedizin organische Ursachen häufig nicht ausreichend geklärt werden könnten, und nannte als besonderes Krankheitsbild die "Infektanfälligkeit". Herr Musselmann forderte eine erweiterte Ausschlußdiagnostik. Herr Cremer wies auf die damit einhergehende Unsicherheit hin: wodurch könne eine Kausalität bewiesen werden? Erschwerend sei, daß "Umweltpatienten" häufig auch psychisch auffällig seien. Hierfür seien unterschiedliche Kausalitäten denkbar: Psychogenese oder Neurotoxizität von Schadstoffen. Frau Bär verwies auf historische Paralellen: früher seinen die psychisch Auffälligen in der katholischen Kirche gewesen, heute bei Selbsthilfegruppen (was weder gegen die Inhalte der einen wie der anderen Organisation angeführt werden kann. S. B.). Herr Musselmann wies darauf hin, daß Patienten durch Erklärungsmodelle der Ärzte in Umweltkliniken auf bestimmte Kausalitäten fixiert würden. Die Unklarheiten führten bei den Kollegen zu dem Gefühl, die komplexen Probleme nicht kompetent genug beurteilen zu können. Gefordert wurde, Leitsymptome für umweltmedizinische Erkrankungen zu formulieren. Ein Hinweis sei das plötzliche Auftreten der Symptome. Neben der Frage "Was ist ein Umweltpatient?" wurde formuliert: "Was sind Kriterien für psychosomatische Erkankungen?" (positive Diagnosestellung)

Bis zu diesem Punkt scheint mir im Nachhinein die Fragestellung weitgehend klar und verständlich. Die weiteren Diskussionsbemerkungen bezogen sich auf Einzelaspekte und müßten weiter bearbeitet werden. Hierzu nur Stichworte:

Betrachtung von Patientenkarrieren: Wie verlaufen sie? Was ist typisch, verallgemeinerbar?

Patienten, die selbst "Umwelt" als Erklärung anbieten, vs. Patienten, bei denen der Arzt aufgrund anamnestischer Hinweise eher zufällig auf umweltmedizinische Ursachen stößt.

Umweltmedizinische Pflichtfragen, die bei jeder chronischen Erkankung (insbesondere der Schleimhäute, Atemwege und toxisch-neurologischen Erkankungen) gestellt werden müßten. (Fragenkatalog)

Nochmals: Warum Trennung Körper – Geist (res cogitans – res extensa, Descartes)? Dafür (zur organischen Abklärung) sind wir ausgebildet!

Therapie umweltmedizinischer Patienten: welche Ziele sind erreichbar? Welches Vorgehen ist angemessen? (etwa Weiterüberweisung zum Psychotherapeuten?)

 

Termin des nächsten Treffens: 16. März 2000 in Mannheim (20 Uhr c.t.)

Dann weitere Bearbeitung des Themas "Psychosomatik" mit Erarbeitung einzelner Listen oder Kataloge (z. B. in Kleingruppen) zu den oben genannten Fragen. Fallvorstellungen zum Einstieg erwünscht!

 

Protokoll: Bilger