Protokoll des Qualitätszirkels Umweltmedizin Rhein-Neckar

 

Sitzung vom 16.03.2000 in Mannheim

Teilnehmer: M. Mayer, J. Braun, K. Fuchs, C. Eicher, B. Musselmann, W. Bitzer, M. Jansen, M.-T. Eisele, S. Bilger

 

Psychosomatische Aspekt umweltmedizinischer Erkankungen

1. In Fortsetzung der Diskussion der letzten Sitzung zunächst folgende Hinweise:

  1. Studie Quecksilberbelastung bei andrologischen Patienten – keine Kausalität nachgewiesen (Jansen)
  2. Suizidhäufigkeit von Elektrikern (Musselmann)
  3. Studie zu Quecksilberbelastungen des Klinikum Mannheim (Prof. Pohlmann-Eden) – Schreiben an die Mannheimer niedergelassenen Neurologen mit Bitte um Teilnahme; Kontakt für Interessierte: Dipl. Psych. Schneeweiß, Neurol. Klnik Tel 0621 / 383 – 3077 (Mo-Fr. 8.30-9, Mo 14-15 Uhr); Text des Schreibens bei Interesse per Fax!

2. Fallvorstellung (Musselmann)

Tomsit (Neoprenkleber) im Kindergarten; Beratung der Mutter eines 5-jährigen Kindes; Informations-politik der untersten Umweltbehörde (Gemeinde); zuständig Gemeinde, ev. Gesundheitsamt

3. Fallvorstellung (Jansen)

34-jährige Patientin mit Chloasma postpartal, weitere dermatologische Inanspruchnahme zur allergologischen Testung (Hg). Besonderheit des Falls: Patientin ist bei Frau des Kollegen in psychotherapeutischer Behandlung wegen chron. Schmerzen (Fibromyalgie-Syndrom, bei 10 Orthopäden in Mannheim gewesen!), dadurch wesentliche Hinweise zu biographischen Hintergrund und zur sozialen Problematik (Einzelkind, gescheiterte Partnerschaften, zahlreiche Arztkontakte). Diskutiert wurden vor diesem Hintergrund die diagnostische Einordnung und mögliche therapeutische Ansätze: Boderline-Störung ?, Depression, somatoforme Störung. Patientin wird als sehr suggestibel wahrgenommen, hatte viele Ausgaben für privatärztliche Inanspruchnahme. Ziel der Psychotherapie: Stärkung der Autonomie (nicht bei jedem Impuls zu anderem Arzt gehen).

Die Diskussion ging von Erörterung der psychischen Dynamik (Bedeutung der ständigen Beschäftigung mit Krankheit, Funktionalisierung des Arztes durch den Patienten) zur üblichen Frage, ob auch organisch alles genügend abgeklärt sei. Zugespitzt wurde gefragt: inwieweit unterscheiden sich klassische medizinische Diagnostik und umweltmedizinische Diagnostik?

Im weiteren wurden folgende

4. "Rezepte" für den Umgang mit schwierigen (Umwelt-)Patienten formuliert:

  1. Die eigene Rolle im Gesamtsystem reflektieren (auch Einfluß und Bedeutung anderer Ärzte wie des Hausarztes im vorliegenden Fall)!
  2. Positive Anteile des Patienten aufgreifen und verstärken!
  3. Realistische Therapieziele anstreben (kleine Schritte)!
  4. Sich klarmachen, daß der Organspezialist mit dem vorgetragenen Symptom nur die "Spitze des Eisbergs" sieht (meist schwer gestörte Persönlichkeit).
  5. Fragen nach impliziten, unausgespochenen Motiven der Patienten.

Die Frage "Wie soll ich mich verhalten angesichts des (möglicherweise) geringen Einflusses?" wurde kontrovers diskutiert: Wahnsystem nicht bestätigen / konfrontieren – Sicht des Patienten teilen -Rückzug auf organische Diagnostik.

Nächster Termin: Donnerstag, 25. Mai 2000, 20 Uhr c.t. (KV Abrechnungsstelle Mannheim)

Hinweise: Lesenswerter Artikel zu unserer Thematik Röttgers, Psychisch Kranke in der Umweltmedizin, Dt. Ärzteblatt 97, 31.3.2000, A-835-840

Wegweise Umweltmedizin (Hrsg. Landeshauptstadt München) wurde von mir für die AG bestellt und wird beim nächsten Treffen verteilt.