Qualitätszirkel Umweltmedizin Rhein-Neckar                  

 

Mannheim, den 15.10.2001

 

 

Protokoll Qualitätszirkel Umweltmedizin

 

Sitzung vom 11.10.2001

 

Teilnehmer: Dr. Musselmann, Allgemeinarzt, Wiesloch, Dr. Danzer, Hautarzt, Karlsruhe, Dr. Eicher, Allgemeinärztin, Eppelheim, Dr. Henning, Gynäkologe, Oftersheim, Dr. Zaloumis, Gynäkologe, Heidelberg, Dr. Mayer, Internist, Heidelberg, Dr. Thomalla, Allgemeinärztin, Heidelberg, Dr. Janzen, Hautarzt, Heidelberg, Dr. Eisele, HNO-Ärztin, Mannheim, Dr. Ziegelmüller, HNO-Arzt, Mannheim

 

 

Fallvorstellung: Dr. Berthold Musselmann

 

36 jährige Patientin. Die derzeitigen Beschwerden sind Neigung zu Hämatombildung, Abgeschlagenheit, Müdigkeit. In der Familienanamnese ist 1982 eine Holzschutzmittelbelastung bekannt. Im Haus waren erhöhte PCB und Lindanwerte gefunden worden. Bei den Eltern war die Holzschutzmittelbelastung anerkannt.  Die bei der Patientin geschilderten Symptome sind auf eine akute lymphatische Leukämie Philadelphia Chromosom positiv zurückzuführen. Über mögliche Zusammenhänge mit einer Holzschutzmittelexposition in der Kindheit besteht keine Klarheit, ist aber zu diskutieren.

 

Dr. Danzer aus Karlsruhe berichtete von einer 68 jährigen Keramikerin mit einer uncharakteristischen Schwindelsymptomatik, Polyneuropathiebefund, wiederholt festgestellte EEG Veränderung unklarer Genese, Oberbauchschmerzen, nach Cholezystektomie bei Cholelithiasis nicht wesentlich gebessert und Hepatopathie. Da sie mit Glasuren arbeitet, wurde ein Bleispiegelbestimmung durchgeführt. Ein erhöhter Wert gab Anlass, die neurologische Symptomatik in kausal Zusammenhang damit zu bringen. Die QZ-Teilnehmer hielten es für erforderlich, die EEG- Veränderung mittels bildgebender Verfahren sowie die sonographisch beschriebene Pankreasstrukturveränderung über CT/MRT weiter zu differenzieren. Eine Störung von Metalloproteinaseninhibitoren bei Schwermetallbelastung als mögliche Ursache der klinischen Symptomatik wird für möglich gehalten.

 

Dr. Manfred Mayer berichtete über eine 48 jährige Lehrerin, bei der seit über 8 Jahren Konzentrationsstörung, Schwindel-Symptomatik, Abgeschlagenheits- und Müdigkeitsgefühl bestehen. Vorbestehend ist eine „Allergie“ auf verschiedene Externa und Reinigungsmittel. Aufgrund eines erhöhten Quecksilbernachweises im Urin wurde eine Amalgamsanierung fachgerecht durchgeführt. Eine Besserung der klinischen Beschwerden war nicht eingetreten. Der Ansatz, eine genetisch determinierte Fehlsteuerung in der „Entgiftungsfunktion“ der Leber über die Genom-Bestimmung zu dokumentieren, ist derzeit nicht möglich. Es muss weiter der Ansatz verfolgt werden, mögliche Schadstoffe im direkten Nachweisverfahren (Humanbiomonitoring) zu erkennen. Als mögliche Ursache wird eine PCB- Belastung in den Schulen angesehen.

 

Dr. Peter Ziegelmüller berichtet über Anstrengung des HNO-Fachverbandes zur Minderung von Lärmschädigungen. Am Arbeitsplatz, in der Disko, mit Workman werden Schalldruckpegel erreicht, die nachhaltige Hörschäden bewirken.

Es werden öffentliche Einrichtungen, Kommunen, Diskobetreiber und Gerätehersteller aufgefordert, eine Lärmbegrenzung, wie bereits in Frankreich praktiziert, einzuführen. Die technische Umsetzbarkeit ist gegeben.

 

Als weiterer Hinweis wird angemerkt, dass die Prüfung des Gehörs bei Kindern mit einem „Knackfrosch“ keine Aussage über die wirkliche Hörfähigkeit erlaubt, da das Knackgeräusch ein Vibrationsempfinden auslöst, und die Kinder sich automatisch dieser Quelle hin zuwenden. Außerdem ist der Schalldruckpegel bei dieser Gehörprüfung deutlich erhöht.

 

Termin des nächsten Treffens:

Donnerstag den 29. November 2001 um 20:15 Uhr in der KV.

 

Dr. Manfred Mayer