Protokoll Qualitätszirkel Umweltmedizin Rhein-Neckar

Sitzung vom 25.3.1999 in Mannheim

MCS:

Geplant ist die Erstellung eines Studiendesigns (um Forschungsmittel des UBA zu beantragen) für eine prospektive MCS-Studie. Ein zweites Treffen wird der Konkretisierung des MCS-Forschungsprojektes dienen.
(Anmerkung: So ist das zumindest mißverständlich: unser QZ will keine Forschungsmittel des UBA beantragen, sondern wollte sich dort über Stand der Ausschreibung informieren. S. B.)
Der dbu (Vorsitzender K. Müller, Isny) wird dazu gemeinsam mit der International Society of Environmental Medicine ISEM die zur Erforschung von umweltmedizinischen Problematiken erforderlichen Grundlagenarbeit leisten.

Der Stand der Studie soll bei Herrn Müller erfragt werden.

Die Problematik des MCS liegt in der nicht klar abgrenzbaren Symptomatik, die auch Parallelen zu psychosomatischen oder/und psychischen Störungen aufweist. Diese psychische Ausprägung kann die Reaktion auf kleinste Schadstoffmengen darstellen, die, genetisch determiniert, in den Stoffwechsel der Zelle eingreifen.

Hier scheinen auch Störungen der Detoxifikationsprozesse eine Rolle zu spielen. Der aktuelle Stand der Erkenntnisse soll bei Herrn Mersch-Sundermann erfragt werden.

In diesem Zusammenhang wird der Fall einer Patientin dargestellt, bei der im Rahmen der Amalgam-Testung reproduzierbar ein Kopfschmerz auf Amalgam, nicht aber auf Placebo auslösbar war.

 

Frau Eicher stellte den Fall einer 18 jährigen Patientin vor, die in den letzten 5 Jahren über Müdigkeit und rezidivierende Hautausschläge im Gesicht klagt. Bei längerer Abwesenheit (Urlaub) sind die Symptome besser. Die Müdigkeit tritt nach der Schule verstärkt auf. Tagsüber Schlafbedarf von ca 2 Stunden, nachts nochmals ca 9 Stunden. Von der Entwicklung her unauffällig, Nichtraucherin, keine Pille, lebt im Elternhaus (7 Jahre alt). Bei der Wohnraumbegehung werden Teppichboden (Synthetik), Vinyltapeten, Holzregale und Parkett als mögliche Umweltfaktoren geschildert. Ca. 40 m vom Haus entfernt verläuft eine Hochspannungsleitung. Im Rahmen der vorausgegangenen Diagnostik wurde vom Endokrinologen die Diagnose einer Hashimoto-Hypothyreose bei erhöhtem TSH basal und normalen peripheren T3 und T4 Werten bei negativen AK gegen TPO und TG gestellt und bereits entsprechend substituiert. Die weiteren Laborparameter waren alle im Normbereich. Bei ausgewählten umweltmedizinischen Laboranalysen fiel lediglich eine leicht erhöhte Exkretion von Methylhippursäure im Urin als Abbauprodukt des Xylol auf.

Bei der Diskussion fällt eine Diskrepanz zwischen dem Schlafbedarf und der guten schulischen Leistung auf. Nicht hinreichend geklärt erscheinen Störungen des psychosomatischen Formenkreises.

 

Herr Walch stellt die Schadstoffinformationen zu den Substanzen der BTX-Gruppe (Benzol, Toluol, Xylol) (Aromatische Kohlenwasserstoffe) dar.

 

Benzol: chemisch C6H6 in Ringstruktur, stellt ein eindeutiges Kanzerogen dar (MAK Kategorie III A 1). Die Aufnahme erfolgt über Haut, gastrointestinal und Atemwege, die Verteilung im Körper entspricht der Löslichkeit im Fettgewebe, die Ausscheidung überwiegend über die Nieren, in kleineren Mengen über die Lungen.

Vorkommen in Benzin (Tankstellen, Raffinerien, Kfz), Lösungsmitteln,

Die Konzentrationen in der Außenluft liegen auf dem Land bei <1 g/m, in der Stadt bei 5-10, in Kfz-hochbelasteten Abschnitten 7-15 g/m. In Innenräumen sind 6-8, bei Rauchern 10-12, in Kfz-Fahrgasträumen bis 60 und im Tabaksrauch selbst 10-30 g/m nachweisbar.

Toxizität: Kochenmarkdepression, Neurologische Störungen (Kopfschmerz, Schwindel, Sehstörungen, Arrhythmien, Tachykardie, Übelkeit), Zelt- und Chromosomenveränderungen.

Als sehr gefährlich wird Benzol-Epoxid, das im Körper durch Cytochrom P 450 abhängige Enzyme entsteht, eingestuft. Nachweis durch S-Phenylmercaptursäure im Urin (Expositionsüberwachung) oder direkt im Blut. TRK 16 mg/m.

 

Toluol: = Methylbenzol. Verwendet als Lösungsmittel (Farben und Lacke, Kfz), in Pflanzenschutzmitteln, Reinigungsmitteln, Möbelpolituren. Aufnahme, Verteilung und Exkretion wie Benzol

Nachweis über Methylhippursäure im Urin. Normalwert 0.01 g/l.

MAK 190 mg/m, BAT 2 g/l

Toxizität: Ähnliche neurologische Symptome wie Benzol, keine Knochenmarktoxizität, keine genotoxischen Wirkungen, möglicherweise fetotoxisch. Wiederholte Aufnahmen größerer Mengen (>800 mg/m) können zu Leber- und Nierenschäden führen. Die geschätzte Jahresemission beträgt ca 80 000 t (1985)

 

Xylol: = Dimethylbenzol in Ortho, meta und para-Stellung. Verwendung als Lösungsmittel, in Klebstoffen, Benzinzusatz.

Hintergrundsbelastung in ländlichen Gebieten 0.1 g/m bis 50 g/m in Ballungszentren, in Innenräumen bis zu 300 g/m

Aufnahme über Lunge und oral. Ausscheidung 5% über die Lungen, in der Hauptsache über die Nieren. Wirkung: Schleimhautreizend, in höheren Konzentrationen narkotisch. Alkohol verstärkt die zentralnervöse Wirkung. Die Wirkungen der chronischen Exposition sind ähnlich der Benzol-Wirkungen. Eine Kanzerogenität ist noch nicht belegt, fetotoxische Wirkungen sind beschrieben.

Grenzwerte MAK 440 mg/m, BAT 1.7 mg/l

 

Die Herstellung der Umweltmedizin-Info-Folder für die einzelnen Praxen wird von der Fa. Merck-Dura gesponsort. Die interessierten Kolleg/innen möchten bitte ihren Wunschaufdruck "Praxisstempel" an Dr. Bilger weiterleiten.

 

Termine + Termine +Termine + Termine + Termine +

20.5.99 Q-Zirkel Umweltmedizin Rhein-Neckar-Dreieck in der KV-Manheim 20:00 s.t.

14.6.99 Gemeinsames Treffen mit dem Q-Zirkel Umweltmedizin Freiburg in Rastatt 20:00

15.7.99 Q-Zirkel Umweltmedizin Rhein-Neckar-Dreieck in der KV-Manheim 20:00 s.t.

Dr. Manfred Mayer