Liebe Kolleginnen und Kollegen,

auf einer umweltmedizinischen Fortbildungsveranstaltung der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen Düsseldorf am 21. April 1999 durfte ich auf Einladung von Herrn Dr. Istas über unseren Qualitätszirkel "Umweltmedizin Rhein-Neckar" berichten und habe bei dieser Gelegenheit auch von den Plänen der Ärztekammer Nordrhein erfahren, durch spezielle Qualitätssicherungsmaßnahmen die umweltmedizinische Versorgung zu verbessern und eine angemessene Vergütung umweltmedizinischer Leistungen zu erreichen. Nach den Ausführungend es Kollegen Rhode (Mülheim) von der Ärztekammer Nordrhein sollen qualitätssichernden Maßnahmen (zusätzliche Fortbildungen, Berichtswesen, Teilnahme an Qualitätszirkeln) zur Voraussetzung von kostendeckenden, zusätzlichen Vergütungen für umweltmedizinisch tätige Ärzte gemacht werden. Wir konnten das Konzept nur ansatzweise diskutieren. Die konkrete Umsetzung ist auch in Nordrhein noch nicht beschlossen. Das was Herr Dr. Rohde darüber mitgeteilt hat, finde ich jedoch sehr interessant.

Da die Vereinbarungen mit den Krankenkassen zum umweltmedizinischen Beratungsservice auslaufen werden, sollten jetzt die Weichen in dieser Richtung gestellt werden. Vorschläge dazu habe ich in dem beiliegenden Forderungskatalog zur Verbesserung umweltmedizinischer Tätigkeit zusammengefaßt und diese auch unserer KV Nordbaden zugeschickt.

Ein weiteres Problem umweltmedizinsch tätiger Ärzte stellt das ab Juli 1999 geltende Laborbudget dar. Wie Herr Dr. Schiwara (Bremen) in einem Artikel in der Zeitschrift "medizin-umwelt-gesellschaft" 2/99ausgeführt hat, wird die geplante Beschränkung des OIII-Labors dazu führen, daß kaum noch umweltmedizinsche Analysen erbracht werden können. Deswegen habe ich auch die Forderung der umweltmedizinischen Verbände nach einem Umweltkontigent für Laboruntersuchungen übernommen.


Zur Weiterentwicklung umweltmedizinischer Versorgungsstrukturen



1. Umweltmedizinische Beratungsanlässe und Fragestellungen sind im ärztlichen Alltag niedergelassener Ärzte - auch Berücksichtigung von darauf spezialisierten Praxen - seltener als früher angenommen. (Dunkelberg/van den Bussche/Münchow: Gesundheitswesen 60, 1998, 742 - 748, und eigene Erhebungen) Im Praxisalltag von Umweltmedizinern mangelt es aber auch für diese wenigen Patienten an der nötigen Zeit und einer angemessenen Vergütung.

2. Wegen der vielfältigen ätiologischen Aspekte, der Symptomatik von Umwelterkrankungen, die in der Regel unterschiedliche Organsysteme betreffen, und der notwendigen umfangreichen differentialdiagnostischen Überlegungen kann Umweltmedizin in der Praxis nur interdisziplinär betrieben werden. Gerade durch ihr Bemühen, Erfahrungen aus dem ärztlichen Praxisalltag mit wissenschaftlichen Grundlagen zu verbinden, was nur in interdisziplinärer Form gelingen kann, unterscheiden sich seriöse Umweltmediziner von selbsternannten Spezialisten, deren Qualität in Zweifel gezogen werden muß. Der bloße Nachweis eines einmal erworbenen Zusatztitels garantiert noch keine angemessene Versorgung von Umweltpatienten. Neben interdisziplinärer Zusammenarbeit (z. B. im Rahmen eines Qualitätszirkels) sind standardisierte Erhebungsbogen, nachprüfbare Indikationen für veranlaßte Analysen und ggf. Nachweise über zusätzliche Qualifikationen (Wohnraumbegehung) zu fordern.

3. Um die notwendigen Rahmenbedingungen für die Behandlung umweltmedizinischer Patienten zu schaffen, braucht es dem außerordentlichen Zeitaufwand angemessene, kostendeckende Vergütungsmöglichkeiten. Diese müssen als Sondervergütungen außerhalb der üblichen Fachgruppenbudgets vereinbart werden und können aus meiner Sicht durchaus an den Nachweis bestimmter qualitätssichernder Maßnahmen gekoppelt werden.

4. Die im Einzelfall notwendigen Laboruntersuchungen werden künftig nur noch möglich sein, wenn sie außerhalb des Laborbudgets erbracht werden können. Vorstellbar wäre ein spezielles Umweltkontingent für derartige Untersuchungen, das nicht unbedingt einem einzelnen Arzt, sondern eher einer Ärztegruppe (Umweltnetz) zur Verfügung gestellt werden sollte.


Dr. med. Stefan Bilger
Facharzt für Allgemeinmedizin, Umweltmedizin
Qualitätszirkel Umweltmedizin Rhein-Neckar
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